Freiheit für Fußball-Philosophen

Freitag, 11 Uhr: Auf WhatsApp erscheint das erste Foto. Drei Mitspieler sind bereits im Ferienpark in Scharendijke eingetroffen, sitzen in der Sonne und grinsen in die Kamera. Okay, noch ein paar Telefonate, dann kann ich auch los. Sporttasche packen, noch schnell fürs Frühstück einkaufen, Sonnencreme nicht vergessen – Urlaubsfeeling an der Supermarktkasse. 

Anschließend drei Mitspieler einsammeln und ab auf die Autobahn. Richtung Nijmegen die Grenze überqueren und dann die Waal, kurz hinter Bemmel auf die A15. 80 Kilometer geradeaus. Während rechts und links die gigantischen Hafenanlagen von Rotterdam vorbeziehen, steigt die Vorfreude. Auf ein Wochenende Zeeland mit meiner Fußballmannschaft, den legendären Goch-Park-Rangers. Eine Tradition, die wir seit 15 Jahren pflegen. 

Wir haben wie immer zwei Häuser gebucht, das „Vernunft-Haus“ und das „Party-Haus“. Im Party-Haus wird schon fleißig fürs Abendessen geschnibbelt und gebrutzelt – Teambuilding am Herd. Unser Chefkoch Marcello schwingt den Kochlöffel und gibt die Kommandos wie ein italienischer Nationaltrainer. Das Ergebnis ist wie immer eine Gaumenfreude der besonderen Art. 

Nach dem Essen draußen sitzen, über das Leben im Allgemeinen und das Ranger-Leben im Besonderen philosophieren – unsere besondere Stärke. Irgendwann ist alles gesagt und ruft das Bett, am nächsten Mittag ist schließlich Anstoß für das interne Match. Bei diesem Spiel geht es um viel, wird doch das Ergebnis mindestens 24 Stunden lang Gegenstand ausschweifender Diskussionen sein – zumindest bis zur Revanche am folgenden Tag. Die letzten finden gegen 4 Uhr den Weg ins Schlafgemach.

Für das Frühstück sind – wenig überraschend – die Bewohner des Vernunft-Hauses zuständig. Ein besonders eifriger Sportskamerad hat sogar schon frische Brötchen besorgt (selbst Mehrkornbrötchen gibt es hier inzwischen!). Die Tafel ist reich gedeckt, die Kaffeemaschine leistet Schwerstarbeit. Irgendwann sind auch die letzten Nachteulen aufgetaucht und haben sich gestärkt. Dann umziehen für das erste Spiel. Leider gibt es in diesem Jahr keinen Fußballplatz, deshalb wird kurzerhand der Strand zur Arena umfunktioniert. Dort stehen sogar zwei Tore bereit, was für ein Luxus!

Schon nach wenigen Minuten ist der Strand umgepflügt. Kein Ball wird verloren gegeben, kein Zweikampf gescheut. Unsere Taktik ist klar: flach spielen und hoch gewinnen – und sie geht auf! Das Spiel endet 5-2. Das schafft eine gute Ausgangsposition für die Gespräche des Tages…

Der Nachmittag steht zur freien Verfügung. Einige haben Fahrräder gemietet und erkunden die Umgebung. Andere gehen in die Sauna oder sitzen im Strandcafé. Urlaub auf die zeeländische Art: „Alles kan, niets moet“. Möglichkeiten gibt es hier schließlich wie den sprichwörtlichen Sand am Meer. Middelburg, Veere, Zierikzee – schöne Städte sind schnell erreicht. Genauso wie der Strand, an den sich in der Vorsaison nur wenige Menschen verirren. Herrlich! Die Alltagshektik scheint in Zeeland Lichtjahre entfernt. Freiheit pur – genau das genießen wir hier jedes Jahr aufs Neue.

Um 18 Uhr stehen alle wieder auf der Matte – zum gemeinsamen Essen. Ausnahmsweise geht’s in ein Restaurant, normalerweise werfen wir selbst den Grill an. Anschließend steht gemeinsames Fußballgucken samt hochkompetenter Fachsimpelei zwischen 14 Hobby-Bundestrainern auf dem Programm. Die Europameisterschaft der U21-Teams und der Confederations Cup bieten schließlich genug Stoff für Diskussionen. Heute geht es für die meisten früher ins Bett, man wird halt nicht jünger. Und am nächsten Tag steht schließlich das Rückspiel an!

Aus Chronistenpflicht muss ich gestehen: Die Revanche ist gelungen, wir haben mit 3-4 verloren. Danach geht alles ganz schnell. Nach dem Kicken unter die Dusche, zusammenpacken und aufräumen. Für die meisten geht es am Nachmittag zurück in den Alltag. 21.30 Uhr: Auf WhatsApp erscheint das letzte Foto der Mitspieler, die bis Montag bleiben können. Sie sitzen in der (untergehenden) Sonne und grinsen in die Kamera. Schade, das Wochenende ging viel zu schnell vorbei. Bleibt die Vorfreude aufs nächste Jahr. Zeeland, wir kommen wieder!