Nationalpark Oosterschelde, immer wieder anders

Neugierig gehe ich zum Fuße des Deichs. Wie wird die Oosterschelde heute aussehen? Ich weiß, dass gerade Ebbe ist. Der salzige Geruch des Schlicks sticht mir bereits in die Nase. Es weht auch eine steife Brise. Werden Schaumkronen auf den Wellen zu sehen sein?

Ich steige auf die Spitze des Deichs. Tief einatmend werfe ich einen ersten Blick auf das Wasser. Eine Aussicht, die mich jedes Mal überwältigt. Es ist wirklich niemals dasselbe. Die Dynamik der Gezeiten, der Wind und der sich ständig verändernde Himmel sorgen dafür.

Zu meinen Füßen befindet sich einer der vielen kleinen kuscheligen Strände, die rund um die gesamte Oosterschelde liegen. Schlick und Sand, ein paar Steine, hier und da eine Pfütze und ab und zu ein Streifen Gras. Ein idealer Ort, um ein bisschen herumzustromern.

Der erste Fund ist direkt ein besonderer: die Eikapsel eines Katzenhais. Sie sieht aus wie eine kleine schmale Verpackung mit langen gekräuselten Fangfäden. Das Rückenschild eines Tintenfischs ist unter einem Häufchen Seetang versteckt. Das Muttertier hat die Eier in der Oosterschelde abgelegt. Damit ist ihre Aufgabe erledigt, von ihr bleibt nur dies zurück.

Diese Tümpelchen sind eine Welt für sich. Kleine Garnelen flitzen durch das Wasser. Eine Strandkrabbe versucht, sich zu verstecken. Ich hebe sie vorsichtig auf. Zwei Stielaugen schauen mich an. Seepocken sitzen auf- und übereinander. Sie sehen aus wie kleine Vulkane mit Minihändchen zum Winken. Ein braunes Häufchen Schleim gerade oberhalb der Wasserlinie zieht meine Aufmerksamkeit auf sich. Es ist eine Pferdeaktinie, eine Seeanemone. Unter Wasser ist sie prächtig rot – und zeigt ihre typischen Tentakel.

Entlang der Flutlinie liegt wirklich alles Mögliche. Strandflöhe bringen sich in Sicherheit, als ich ein Stück Treibholz aufhebe. Das nehme ich mit nach Hause. Daraus kann ich bestimmt etwas Schönes machen. Eine Plastikflasche, einen Arbeitshandschuh, an dem zwei Finger fehlen, und einen kaputten Fußball nehme ich auch mit. Oben auf dem Deich steht ein großer Abfallkorb, in dem dieser Müll gesammelt wird.

An einer trockenen Stelle im Sand setze ich mich hin. Mit dem Blick auf das Meer gerate ich ins Träumen. Vielleicht habe ich heute richtiges Glück und gönnt der Schweinswal mir einen Blick auf seine – oder ihre – Rückenflosse.

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