Seehund

Die Strandsaison hat wieder begonnen, ein Grund zur Freude. „Guck mal Mama, eine richtige Robbe!“ Ein blond gelocktes Mädchen von etwa fünf Jahren hält die Hand seiner Mutter gut fest und zeigt begeistert auf etwas Schwarzes im Wasser. Ich glaube, eine leichte Enttäuschung auf dem Gesicht des Kindes zu erkennen, als mein Hund mit einem gelben Tennisball in der Schnauze aus dem Wasser kommt, um anschließend das Bällchen vor meinen Füßen hinzulegen, sich brav zu setzen und mit einem fast flehentlichen Blick zu betteln, ob ich bitte, bitte noch einmal den Ball in das Wasser werfen möchte.

„Das ist Joey“, sage ich lachend zu dem Kind. „Und er sieht schon ein bisschen wie eine Robbe aus, oder?! Aber wusstest du, dass dahinten echte Robben zu sehen sind? Wenn du noch ein bisschen weiter gehst, kannst du sie sehen. Sie sind jeden Tag da und sonnen sich hier auf den Stegen. Manchmal spielen sie auch miteinander im Wasser, und sie sind sehr neugierig.“ Ihre blaugrauen Augen werden immer größer, und noch ehe ich hier auf Wiedersehen sagen kann, zieht sie ihre Mutter schon mit in Richtung der Stege.

Ich rufe Joey zu mir, und in Gedanken versunken spazieren wir weiter in Richtung des großen Strandes von Neeltje Jans. Zu unserem Lieblingsplatz. Wo es morgens früh noch wunderbar ruhig ist. Wo wir einen fantastischen Sonnenaufgang erleben können. Wo wir zusammen durch die Dünen stromern, die Möwen schreien hören und über den endlos scheinenden Strand zum Meer schlendern. Wo die Gezeiten ständig wechseln. Von Ebbe zu Flut. In der Ferne höre ich ein Mädchen rufen: „Guck mal Mama, eine richtige Robbe!“ Die Strandsaison hat wieder begonnen. Das Leben in Zeeland ist schön...

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