Winternatur

In den Wintermonaten organisiert SOVON Vogelonderzoek jeden Monat eine landesweite Gänsezählung. Einen Teil von Westerschouwen übernehme ich dann gemeinsam mit unserem ältesten Sohn Maarten, ebenfalls einem begeisterten Vogelfan. Team Sluijter, könnte man sagen. Über unsere Zählung vom 19. Februar 2017 hier ein Bericht.

Die Äcker sind noch kahl zu dieser Zeit. Hier und da steht noch eine Parzelle voll mit Ölrettich. Das ist eine Art Zwischenfrucht, sie wird von Landwirten als Gründünger genutzt. Sie schenkt der Erde Stickstoff und organische Substanz und bekämpft auf biologische Art und Weise Rübennematoden. Bei Westenschouwen blicken wir über ein solches Feld. Die Hälse von ein paar Nilgänsen schauen daraus hervor. Auch fliegen ein paar kleine Singvögel umher, am Flugbild und Gesang identifizieren wir sie als Wiesenpieper.

Seit kurzem hat die Stiftung Natuurmonumenten die Verwaltung dieses Polders an der Küste von Schouwen übernommen. Das Wilde wurde entfernt, das Gebiet zur Begrasung vorbereitet. Das sieht gut aus für die Vögel! Vor allem Weidevögel wie Kiebitz und Austernfischer werden hiervon profitieren. Aber auch Küstenvögel wie Seeschwalbe, Säbelschnäbler und vielleicht sogar der Sandregenpfeifer. Die meisten sind Zugvögel und hocken jetzt noch im schönen warmen Afrika. Allerdings sind ein paar Graugänse da. Sie sitzen bereits als Pärchen im Polder. Noch ein paar Wochen, dann brüten sie schon. In den nassen Bereichen des Polders sehen wir ein paar Rotschenkel und Wasserläufer auf Futtersuche.

Hier und da begegnen wir einem Bussard. Meist sitzen sie, energiesparend, auf einem Pfahl oder einer Straßenlampe. Sie suchen mit ihren extrem guten Augen den Boden ab. Ihr Hauptnahrungsmittel sind kleine Nagetiere, vor allem Mäuse. Hier und da sieht man auch ein paar Gänsegruppen. Vor allem Weißwangengänse, zu erkennen am grafisch schwarz-weißen Federkleid und ihrem typischen kläffenden Ruf. Aber auch Gruppen von Graugänsen. Diese Gans hat einen starken orangefarbenen Schnabel, der hervorragende Dienste beim Graben und Fressen von Wurzeln leistet. Sie sind verrückt nach zurückgebliebenen Rübenresten! Während wir über die Äcker spähen, entdecken wir einen Wüterich: den Wanderfalken! Bewegungslos hockt er auf einem Erdklumpen. Nahrung gibt es hier im Überfluss für ihn dank der Kiebitze und verschiedenen Enten. Wer jemals einen Wanderfalken bei der Jagd beobachtet hat, wird dies nicht so schnell vergessen: Er ist wahrscheinlich der schnellste Vogel der Welt.

Über einer extensiv bewirtschafteten Wiese steigt ein kleiner Vogel zwitschernd schräg in die Luft und bleibt dort hängen. Wunderschön, der Frühlingsgesang der Feldlerche! Trotz des grauen Himmels und des Nieselregens liegt der Frühling unverkennbar in der Luft! Etwas weiter hinten steht ein prächtiger Silberreiher im Schatten eines Deichs. Eine ordentliche Gruppe kleiner Vögel in einem Stoppelfeld erweist sich als eine gemischte Gruppe aus Grünfinken, Hänflingen und Stieglitzen. Inzwischen haben wir das gesamte Zählgebiet gesehen und alle Gänse notiert. Zeit für eine Belohnung: Brouwers-Damm, seewärts.

Ein ziemlich strammer Wind an der Seeseite des Brouwers-Damms. Aber wir können zum Glück auch fast alles aus dem warmen Auto sehen. Hier und da beobachten wir kleine Gruppen mit Schellenten und Mittelsägern. Auch sie haben Frühlingsgefühle, die Männchen machen den Weibchen geschäftig den Hof. Balz heißt das bei den Vögeln. Gar nicht so weit weg von uns sitzt eine Gruppe Trauerenten und sogar eine Samtente. Wir entdecken selbst eine Gruppe von zehn männlichen Eiderenten, wahre Schönheiten! Auf dem Damm, am Abhang, sind verschiedene Stelzenläufer auf der Suche nach Nahrung: Stelzenläufer, Sanderlinge, Knutte, aber auch Ringelgans und Austernfischer.

Wir bemerken zwei Meerstrandläufer am Hang, einer trägt einen Ring und ein kleines grünes Fähnchen an einem Beinchen. Diese Fähnchen mit Beschriftung werden verwendet, um die Vögel individuell zu kennzeichnen. Mit Fernglas, Teleskop oder einer guten Kamera mit Linse kann man die Inschrift lesen und auf einer speziellen Webseite eingeben. Als wir zu Hause sind, tun wir genau das und bekommen direkt die Lebensgeschichte dieses Meerstrandläufers zu sehen. Das Tier pendelt bereits seit vier Jahren zwischen dem Überwinterungsgebiet hier am Brouwers-Damm (was für eine Treue!) und seinem Brutgebiet auf... SPITZBERGEN! Wow, so etwas macht mir eine Gänsehaut! So tief im Polarkreis. Luftlinie quer über die Karte sind es vom Brouwers-Damm bis zum Nordkap in Norwegen 1.500 Kilometer. Und dann noch einmal 1000 km über das Eismeer... Respekt!